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Foto: Felix Rettberg

Philipp Hardy Lau

Wurde 1986 in Berlin geboren und wuchs an der Ostsee auf. An der Humboldt Universität Berlin traf er Constanze Behrends. Für ein Praktikum kam er 2009 ans Prime Time Theater – und blieb. Gemeinsam mit Constanze entwirft er die Geschichten für GUTES WEDDING SCHLECHTES WEDDING, produziert die Videos und mischt als Regisseur maßgeblich bei den Inszenierungen mit. Wenn er Zeit hat, dreht er in Berlin kleine Interview-Clips, fährt durch Israel oder entwickelt neue Serienformate.

Interview

Du bist an den GUTES WEDDING SCHLECHTES WEDDING – Texten nah dran und auch an der Inszenierung. Wo liegt die größere Herausforderung?

Das sind ganz unterschiedliche Dinge. Constanze und ich, wir lassen bei der Entwicklung der Geschichten unseren Ideen freien Lauf. Wir lachen viel - und wir sind ein eingespieltes Team. Die Rollenentwicklung, also die Art und Weise, wie der Text auf der Bühne lebendig wird, das liegt bei den einzelnen Schauspielern. Da habe ich eine Hochachtung, denn als Schauspieler musst du deinen Text drauf haben, du musst komisch sein, auf den Punkt spielen, mit den anderen spielen. Deshalb ist es wichtig, in der Regie auch etwas Bühnenerfahrung zu haben, und eine Idee vom Spielen, um sich in diesen Vorgang hineinzuversetzen.

Du hast selbst schon bei GWSW auf der Bühne gestanden.

Ja, das war 2009, in Folge 65, „Kampftrinklager“ (lacht). Oliver und Constanze haben mir angeboten, es auszuprobieren mit der Schauspielerei. Ich hab vorher bei TV-Castings mitgemacht, zum Beispiel für MTV. Ich wollte auch auf die Bühne. Heute weiß ich, dass mein Platz eher dahinter ist, oder davor, je nachdem.  

Du stehst bei Premieren gern ganz hinten im Saal. Warum?

Weil ich da das Gefühl im Raum am besten mitbekomme. Die Witze, über die gelacht wird, die Stimmung. Hinten spürst du die Welle.

Du hast beim Prime Time Theater 2009 als Praktikant angeheuert.

Constanze kannte ich aus dem Literaturseminar und von einem gemeinsamen Filmprojekt an der Uni. Als ich ein Praktikum brauchte, habe ich gefragt. Ich habe dann im Theater die Abendtechnik gemacht und die Requisite, stand auch hinter der Bar. Dann fing ich mit Kamera, Videoschnitt und Animation an, hab mich da reingefuchst, nach dem trial-and-error Prinzip: Versuchen, Fehler machen, versuchen. Marc Poritz, der Kameramann, der die Videobeamer eingerichtet hat, hat  mir die Tricks gezeigt und hilft mir auch heute noch.

„Storytelling“ ist, neben Video, deine kreative Hauptader. Wie entstehen die GWSW-Geschichten?

Constanze und ich treffen uns einige Wochen, bevor der Text fertig sein muss, für die Grobplanung und überlegen: Welche Schauspieler aus dem GWSW-Ensemble sind da, welche haben gerade frei - welche Figuren können wir weitererzählen? Dann gucken wir nach den Cliffhangern der letzten Folge, und stricken die „Storylines“, die Handlungsbögen, weiter. In der Feinplanung geht es an die einzelnen Szenen, da legen wir Stichwortzettel aneinander und probieren, was zusammenpasst, mit den Umzügen der Schauspieler, den Umbauten, den Video-Einspielern. Wir bauen zusammen den Handlungsverlauf der Geschichte, und Constanze arbeitet dann die Dialogfassung aus.

GUTES WEDDING SCHLECHTES WEDDING wird schon lange erzählt, nun sind es 100 Folgen. Ist das eine Endlosschleife oder gehen euch auch mal die Ideen aus?

Zum Glück fällt uns immer was ein, GWSW ist noch nicht auserzählt (lacht), nein, die Serie aus dem Wedding kann noch mehr Drama vertragen - und Migrationshintergrund! Erlebnisse aus unserem Privatleben fließen mit rein, Beobachtungen von der Straße, und aus der Web-Kultur, zum Beispiel Youtube. Der Text ist eine starke Basis für die Stücke, aber vieles kann sich noch verändern in den Proben. Bis kurz vor der Premiere kommen neue Elemente hinzu.

Was fasziniert dich am Prime Time Theater?

Ein Fernsehformat wird auf die Bühne gebracht - das finde ich klasse! Die Handlung läuft von der Bühne im Video weiter, zum Beispiel, wenn Polizist Schneider ins Auto springt und mit den Geiselnehmern verhandelt! Im Greenbox-Studio können wir die Figuren filmen und anschließend vor verschiedene Hintergründe setzen, mit Effekten und Möglichkeiten spielen. Manchmal sitze ich stundenlang an Details, bis das Gesamtbild passt. Das macht viel Spaß.   

Du lebst und arbeitest auch in Israel? Wie kam es dazu?

Über Freunde bin ich nach Tel Aviv gekommen und habe dort sehr warmherzige Menschen kennengelernt, die mich mit in ihre Familien genommen haben. Dieser Zusammenhalt ist dort stärker als bei uns. Ich versuche, alle 2-3 Monate für einige Wochen mit meinem Freund in Israel zu leben und durch das Land zu reisen. 2013 habe ich für das „Freedom Theatre“ Jenin in Palästina einen Kamera-Workshop mit Jugendlichen gemacht. Derzeit arbeite ich an einem  Serienformat über Berlin und  Tel Aviv.

Interview: Jana Sittnick

Website Philipp Hardy Lau

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